An zwei Nachmittagen im Mai versammeln sich an die 40 ein wenig aufgeregte, auffallend gut gekleidete Menschen, ein paar davon stilecht im Look der 20er Jahre, im Shabby Chic des Gartens von Clärchens Ballhaus in Berlin Mitte. Sie sind das handverlesene Publikum für die anstehende Aufzeichnung des »MTV Unplugged«-Konzertes von Max Raabe & Palast Orchester. Die Stimmung ist ausgezeichnet, man weiß, dass es sogar von schwedischen Fans Anfragen für Karten gab, und überall herrscht geschäftiges Treiben. Der Spiegelsaal des Ballhauses mit seinen verwitterten Spiegeln und dem herrlichen Stuck scheint darauf gewartet zu haben, für dieses Konzert wachgeküsst zu werden… aber es ist eine Herausforderung, das Team rund um die acht Kameras, Beleuchtung und sonstige Technik, das Publikum sowie natürlich die Musiker zu platzieren. Auch die Aufstellung des Palast Orchesters ist darum heute mal ganz anders als sonst, aber bislang verteilen sich alle noch auf dem beengten Platz der Treppenhäuser drinnen wie draußen, auf dem Balkon und im Garten.
Mit Max Raabe & Palast Orchester wird die Reihe der bislang 23 in Deutschland aufgezeichneten MTV Unplugged-Konzerte folgerichtig fortgesetzt, da ist sich jeder im Publikum sicher. Max Raabe selber hatte zunächst Zweifel, er sieht sich gar nicht als typischen, coolen MTV-Künstler, und das Palast Orchester spielt ja eigentlich eh immer »unplugged«. Aber Max Raabe hat sich nicht ohne Grund schnell vom Repertoire der 1920er Jahre zum Schreiber eigener, moderner Songs weiterentwickelt. In seinen Kompositionen lebt der augenzwinkernde Humor, die Frechheit und der Wortwitz der klassischen Lieder wunderbar vereint mit einem über die Jahre entwickelten ganz eigenen Stil, dem Raabe-Pop. Auch für die Idee eines MTV Unplugged-Konzertes findet er schnell einen persönlichen Ansatz, der zum einen eine spannende neue Herausforderung darstellt, die das »tighte« Palast Orchester gelassen annimmt und dabei unter anderem beweist, dass Orchester-Musik und Rap keine Kontradiktion sind. Sie laden sich für wunderbare Duette zu besonderen Songs aus ihrem Repertoire unerwartete Künstler ein, die teilweise schon eigene MTV Unplugged-Stars sind, oder aber welche, die zu Recht dabei sind. Das Projekt ist, wie Max Raabe selber sagt, inzwischen eine Herzenssache.

Die geladenen Musikergäste werden unter größtmöglicher Geheimhaltung und über Umwege in den provisorisch hergerichteten Künstler-Aufenthaltsraum geführt, und man kann bei den einzelnen Auftritten die gelungene Überraschung auf den Gesichtern des Publikums sehen. Namika verwandelt sich vor unseren Augen, gekleidet in einen perfekt sitzenden Damen-Smoking, in eine laszive Sängerin und den Song »Küssen kann man nicht alleine« in ein wunderbar stimmiges Duett. Mit Pawel Popolski wird Clärchens Ballhaus binnen Sekunden zum Polkahaus. Hinter der polnischen Stimmungskanone Pawel Popolski steckt der Musiker Achim Hagemann, seit Jahren Wegbegleiter und Mitkomponist von Max Raabe. Popolski weiß das Orchester zu überraschen, denn die kreisende Flasche enthält nicht das abgesprochene Wasser… sondern Wodka, Wodka, Wodka. Das Duett »Guten Tag, liebes Glück« mit der zauberhaften Lea bezeichnet Max Raabe nach der Aufzeichnung als Offenbarung. Man kann miterleben, warum… 

Der gefeierte Schauspieler, DJ und Regisseur Lars Eidinger kann also offensichtlich auch singen. Vorab sehr aufgeregt, es ist sein erster Gesangsauftritt dieser Art, zieht er das Publikum mit seiner Interpretation von »Mackie Messer« schnell in seinen Bann. Er ist repertoiresicher, hat schon vor Jahren für das Vorsingen an der Schauspielschule einen Song von Max Raabe ausgewählt. Hier dabei zu sein bezeichnet er, adrenalindurchflutet nach seinem Auftritt, als »wie mit Delfinen schwimmen«. Mit ihm durchlebt das Publikum die komplette Gefühlswelt und Magie des Künstlerdaseins von nervös zu triumphierend kondensiert in einem Song. Mit Max Raabe und Samy Deluxe treffen sich zwei ganz große Wortakrobaten unterschiedlicher Genres absolut auf Augenhöhe. Da swingen zwei auf einer Ebene. »Der perfekte Moment« einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit. Der wohl ungewöhnlichste Gast in der Reihe ist Mr. Lordi, finnischer Hardrock/Metal-Sänger mit ruhmreicher ESC-Vergangenheit. Er passt mit vollem Kostüm nicht in die beengte Garderobe des Venues, erfüllt aber im Saal den erwarteten Effekt, etwas absolut Besonderes, Starkes beizusteuern. Und dazu brüllt er nicht mal, sondern wird ganz still für seine Version von »Just a Gigolo«. 

Mit Herbert Grönemeyer ist der Künstler zu Gast, der als allererster deutscher Musiker überhaupt ein MTV Unplugged-Konzert aufgezeichnet hat. Und das damals auf Einladung der englischen MTV-Zentrale in London! Ein enorm präsenter Grönemeyer macht seine ganz eigene, empathische Interpretation von »Du weißt nichts von Liebe« zu einem der Highlights des Abends. Als Zugabe gibt’s eine gut aufgelegte Palast Orchester-Version von Grönemeyers Klassiker »Mambo«.

Tauchen Sie also ein in die besondere Atmosphäre des MTV Unplugged-Konzertes mit Max Raabe & Palast Orchester sowie grandiosen Gästen und in einen wie dafür geschaffenen Ort. Begleiten Sie Max Raabe und die Musiker des seit nunmehr über 30 Jahren existierenden (mehr als 25 davon in fast unveränderter Zusammensetzung) Palast Orchesters auf einer weiteren Station ihrer erfolgreichen, internationalen Bandgeschichte, die hier in diesem besonderen Zusammentreffen von geschätzten Musikern und Freunden einen weiteren Höhepunkt erreicht und den funkelnden Diamanten der MTV Unplugged-Reihe um eine strahlende Facette erweitert.

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